Schriftsteller

Jean-Claude Izzo

Jean-Claude Izzo


Einschätzung des Publikums : 5 etoiles(3 Stimmen)
Erhältliche Fassungen : description de

Jean-Claude Izzo (* 20. Juni 1945 in Marseille; † 26. Januar 2000 in Marseille) war lange Jahre Journalist. Nachdem er als Chefredakteur der Zeitschrift Viva aus politischen Gründen gefeuert wurde, begann er Romane zu schreiben. Genauer: Kriminalromane. Ganz in der Tradition des französischen »Néo-Polar« also mit starkem politischem Akzent, als Teil einer literarischen Gegenöffentlichkeit. Izzo war schon fünfzig Jahre alt, als sein Erstling Total Cheops sofort ein Bestseller wurde.

Von Izzo wurde gesagt, er sei »Marseiller durch und durch. Das heißt: halb Italiener, halb Spanier mit arabischem Blut und Oliven von beiden Seiten.« Wie also sollte so jemand seine Stadt beschreiben wollen, ohne die Grundsubsistenz, das Essen, zu erwähnen? Denn nirgends schlägt sich die Mischung der Völker und Kulturen so deutlich erfahrbar nieder wie im Kochtopf. Man nennt das heutzutage gerne »crossover«. Aber weil Izzo wirklich etwas vom Essen und von der Wirklichkeit versteht, also von Berufs und der Kunst wegen ganz genau hinguckt, enttäuscht er sofort diesen lieb gewordenen Topos und gab Le Monde diplomatique folgende Ketzereien zu Protokoll:
»Ganz ohne Romantik war – und bleibt – Marseille der Ort, an dem sich die Exilierten der Welt begegnen. In den meisten Restaurants isst man folglich einfach und für wenig Geld. Die Gerichte sind mit einem treuen Festhalten am Ursprung zubereitet. Die Küche erneuert sich nicht, sie mischt sich nicht, sie bleibt bestehen. Essen verbindet mit der Heimat. Sich an den Tisch zu setzen, im Restaurant oder zu Hause, mit der Familie oder mit Freunden, das bedeutet, an die Erinnerung, an die Vergangenheit anzuknüpfen. Und wenn sich solch ein Kreis öffnet – Marseille ist eine offene Tür –, dann darum, um mit einer hübschen Portion Stolz zur Teilnahme an der Schönheit einzuladen, die dem Ort eignet, von dem man herkommt.«

In diesem Antiklischee treffen sich Kochen und Morden dann wieder ganz folgerichtig. Denn es geht in Total Cheops nicht um Mafia-Folklore, sondern um die knallharte realpolitische Bedrohung Frankreichs durch die militante Rechte. Um das zu sehen, muss man allerdings ganz genau hinschauen.

Werke:
Die Marseille-Trilogie: Total Khéops (1995; dt. Total Cheops, 2000); Chourmo (1996; dt. Chourmo, 2000); Soléa (1998; dt. Solea, 2001).
Weitere Werke: Cuisine exotique insolite (1992); Les marins perdus (1997; dt. Aldebaran, 2002); Loin de tous rivages (1997); 13, Passage Gachimpega 13000 Marseille (1998); Vivre fatigue (1998); L’Aride des jours (1999); Le soleil des mourants (1999; dt. Die Sonne der Sterbenden, 2003). Texte u.a. in: Marseille (Guide, 1998), Les vins de France (1999).

http://www.jeanclaude-izzo.com

Bildquelle: Offizielle Website
Textquelle: Unionsverlag

kreiert: 14.10.2006 | geschrieb.: 14.10.2006 | modif.: 14.10.2006


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