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Jean-Claude Izzo - Die Marseille Trilogie

Jean-Claude Izzo - Die Marseille Trilogie

Originaler Name: Jean-Claude Izzo - La Trilogie marseillaise

Einschätzung des Publikums : 5 etoiles(5 Stimmen)
Erhältliche Fassungen : description de

Die Marseille Trilogie

Die Marseiller Trilogie von Jean-Claude Izzo – Total Cheops, Chourmo und Solea – schafft ein Universum, gleichermaßen düster und leuchtend, blutig und menschlich.

Marseille vibriert, doch es widersteht. Tausend Kämpfe gibt es hier auszufechten für eine Stadt, die offen ist für die ganze Welt. Fabio Montale – die Hauptfigur der Trilogie – wird von seiner Menschenliebe und seiner Melancholie durch die sonnigen Straßen und finsteren Cafés getrieben – er hat eine Obsession: Er muss begreifen …

Total Cheops ist ein Ausdruck aus dem Vokabular der Marseiller Rap-Gruppe IAM und bedeutet »bordel immense«. Hier wird der Polizist Fabio Montale mit seiner Vergangenheit konfrontiert, als er dem Mord an zwei Jugendfreunden auf der Spur ist.

In Chourmo – provenzalisch für »Galeerensklave« – hat Fabio Montale seinen Polizeiberuf aufgegeben. Eines Tages bittet ihn seine Cousine Gélou um Hilfe. Ihr Sohn Guitou ist mit seiner Freundin Naïma verschwunden. Fabio Montale entdeckt den Sachverhalt, als er eine Zeitschrift öffnet: Guitou wurde im Haus eines reichen Architekten, der einen algerischen Historiker beherbergte, ermordet. Fabio Montale folgt einer Fährte und findet sich unvermittelt in einem fremden Stadtquartier wieder. Sein Freund Serge – Streetworker in den nördlichen Vierteln Marseilles – ist gerade vor seinen Augen umgebracht worden. Was als Fall beginnt, wird zu einer schmerzhaften Familien- und Freundschaftsgeschichte. Montale wird gedeckt von Kommissar Loubet, der ihm gesteht: »Ich werde den Eindruck nicht los, dass du etwas von einer Sanduhr hast. Wenn der Sand vollständig durchgerieselt ist, kommt zwangsläufig jemand, der sie wieder umdreht.«

Und wer dreht die Sanduhr um, wenn nicht die Freunde? »Sie waren meine letzten Anhaltspunkte im Leben. Leuchttürme im Meer, die Einzigen, die imstande waren, mir den Weg zum Hafen zu weisen. Meinen Weg.«

Im letzten Band der Trilogie, Solea, hat die Journalistin Babette Bellini gerade eine Recherche über die Mafia abgeschlossen. Verfolgt von der Organisation, versteckt sie sich in einem Dorf in den Cevennen. Von dort aus lässt sie ihrem Freund Fabio Montale vertrauliche Disketten zukommen. Die Mafia erwischt Montale und bedroht ihn: Wenn er ihnen Babette Bellini nicht ausliefert, werden sie einen nach dem anderen seine Angehörigen umbringen. Sie haben schon damit begonnen.

Izzos Trilogie reibt sich an den Realitäten des Lebens: am starren Fundamentalismus, an der Macht der Mafia, der Brutalität der Polizei, der Beschränktheit des Rassismus. »Je mehr die Arbeitslosigkeit anstieg, umso mehr wurde man sich der Immigranten bewusst. Es sah aus, als stiege die Zahl der Araber analog zur Kurve der Arbeitslosigkeit!« Harte Geschichten und ein feinnerviger Stil prägen diese radikalen, realitätsnahen und engagierten Romane. Um dieser Gesellschaft die Stirn zu bieten, hat Izzo eine gefühlvolle und sanfte Figur geschaffen, die erfüllt ist von Selbstzweifeln und Zukunftsängsten. Fabio Montale isst und trinkt gerne. Und wenn ihm das Leben zwischen den Fingern zerrinnt, nimmt er sein Boot und fährt aufs Meer hinaus, »um Stille aufzutanken«.

Textquelle: Maire-Laure Delorme,Magazine littéraire
Bildquelle: Unionsverlag

kreiert: 14.10.2006 | geschrieb.: 14.10.2006 | modif.: 15.10.2006


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